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Alles zum Thema Oldtimer Zweiräder

Moderator: schreyhalz

von TobiasSchulze
#32877
Hallo und liebe Grüße an alle Oldtimer-Freunde!

Ich (29 Jahre alt) komme aus dem südlichen Niedersachsen und habe kürzlich eine Dürkopp MD200, Bj. 1953 als Scheunenfund erstanden.
Nun soll das gute Stück in der nächsten Zeit restauriert werden. Da ich den Motor als das wichtigste Teil der Maschine empfinde, habe ich dort auch mit der Arbeit begonnen.

Nachdem ich die beiden Motordeckel links und rechts demontiert hatte, stellte ich fest, dass rechts unter dem Kupplungskorb eine 'lockere' Haarnadelfeder hängt, die mir so nicht richtig erscheint. Ich habe mal zwei Fotos angehängt und die Feder mit einem roten Pfeil markiert.
Meine Vermutung ist jetzt, dass die Feder in die dafür recht passig erscheinende Mutter (rechts davon, gelb eingekreist) eingehängt werden muss.
Kann mir dazu jemand etwas sagen?

Zudem habe ich in der Laufbuchse des Zylinders festgestellt, dass unten ein Teil abgebrochen zu sein scheint (rot eingekreist). Der Motor dreht jedoch ohne Probleme und es gibt auch keine Bruchstücke, die ich im Motor finden konnte. Wäre es möglich, dass der Kolben weiterhin ohne Schwierigkeiten läuft und alles so bleiben kann? Oder muss das auf jeden Fall repariert werden?

So, ich hoffe, das war nicht zu viel Text und würde mich über eine Antwort sehr freuen :)
Falls hier ein MD200- oder MD150-Besitzer aus der Gegend Hannover/Braunschweig zu finden ist, hätte ich übrigens Interesse an einem Treffen zwecks Meinungsaustausch etc.

Liebe Grüße

Tobias
Dateianhänge
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Laufbuchse ... vielleicht noch verwendbar?
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Laufbuchse heile
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Lockere Haarnadelfeder
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Lockere Haarnadelfeder
von schreyhalz
#32880
Moin Moin !

da ich mich mit dem Motor nicht auskenne , kann ich leider nur allgemein antworten.

Die Feder gehört sicher irgendwo hin , eine lose Feder ist ja sinnlos.

Ich vermute mal , diese Feder gehört zum Schaltautomat. Sie sorgt entweder dafür , dass der Schalthebel immer in die mittellage zurückkehrt, oder sie ist Teil des Schaltautomates und gehört zu dessen Klinken. Sollte man herausfinden , wenn man den Motor langsam mit der Hand durchdreht und dabei schaltet.

Die Ausbruchstelle am Zylinder ist sehr merkwürdig , da muss mal jemand mit Gewalt gewürgt haben , und selbst dann ist mir nicht klar , wie man eine Beschädigung an dieser Stelle hin bekommt.

Seis drum! Den Betrieb wird es nicht stören , die seitlichen Kräfte wirken fast ausschliesslich in Fahrtrichtung auf die Zylinderwandung ,irgendwelche Steuerzeiten werden wohl auch nicht beeinflusst.

Wichtig ist eine neue bzw. mit neuem Pleuellager versehene Kurbelwelle und deren einwandfreie Lagerung und Abdichtung.

Mfg Volker
von TobiasSchulze
#32882
Hallo Volker,
vielen Dank für deine Antwort!

Ein Kumpel hat sich den Zylinder auch nochmal angesehen, er meinte, dass die beiden Kanäle hinter der Ausbruchstelle der Ölzufuhr dienen müssten und es daher möglicherweise Probleme mit der Schmierung auf der Seite geben könnte.
Für die Verbrennung und den Kolbenlauf dürfte es in der Tat keinen Unterschied machen.

Meinst du, dass man jemanden findet, der das reparieren könnte? Oder würde da nur ein Austausch des kompletten Zylinders helfen? Ersatzteile sind für die Maschine anscheinend recht schwierig zu beschaffen...

Die lose Feder werde ich in den nächsten Tagen mal einhängen und schauen, was sich dann an der Schaltung tut. Vermutlich dient sie tatsächlich der Rückholung des Schalthebels (zumal der derzeit nur lose wackelt).

LG

Tobias
von schreyhalz
#32887
Moin Moin !
Ein Kumpel hat sich den Zylinder auch nochmal angesehen, er meinte, dass die beiden Kanäle hinter der Ausbruchstelle der Ölzufuhr dienen müssten
Es gibt beim 2-Takter keine Ölzufuhr! Die gesamte Schmierung erfolgt durch Ölbeimengung zum Sprit , üblicherweise 1:25.
Bei einigen 2-Taktern laufen die Kurbelwellenlager im Getriebeöl , dann sind die Kurbelwellensimmerringe zwischen Lager und Hubwangen , denn der Kurbelwellenraum muss wg. der Vorverdichtung immer hermetisch abgedichtet sein. Auf der Lima-Seite ist dann ein dritter Simmering , der das Getriebeöl daran hindert , auszutreten. Das ist aber der eher seltene Fall, üblicherweise werden die Hauptlager vom Gemisch geschmiert.

Die Arbeitsweise eines 2-Takters ist dermassen , dass beim Hochgehen des Kolbens das Gemisch vom Vergaser durch den Einlasskanal des Zylinders in den Kurbelwellenraum gesaugt wird , die Steuerzeiten dazu werden entweder von der Kolbenunterkante oder Fenstern im Kolbenhemd bestimmt. Beim Herunterfahren des Kolbens wird zunächst das Gemisch im Kurbelwellenraum verdichtet (daher unbedingt intakte Wellendichtringe erforderlich) , bis der Kolben die Überströmkanäle freigibt , durch diese strömt jetzt das Gemisch in den Brennraum und spült dabei gleichzeitig die Verbrennungsgase vom vorherigen Takt aus dem Zylinder. Durch berechnete Auspuffanlagen und Ansaugwege wird dabei in einem recht engen Drehzahlbereich jeweils eine Resonanzschwingung der Gase erreicht , wodurch der Füllungsgrad und damit die Leistung steigt. Schon früh wurde dabei im Ansaugbereich eine Membran als Rückschlagklappe eingebaut , während auf der Auslassseite verstellbare Auslassschlitze bei Hochleistungsmotoren zu finden sind. Eine andere Methode der Leistungsverbesserung ist durch Kolbenunabhängige Einlassteuerung möglich , indem direkt in das Kurbelgehäuse gesaugt wird , entweder durch die bereits erwähnten Membranen oder durch Drehschiebereinlass , hierbei übernimmt eine gelochte Scheibe auf der Kurbelwelle die Öffnung und Schliessung des Einlasses. Modell hier_:https://de.wikipedia.org/wiki/Zweitaktmotor

Aber diese Technik wirst du bei deinem Motor nicht finden , der ist recht simpel aufgebaut , allerdings mit einer etwas abweichenden Spülung des Zylinders , am Doppelport erkennbar.

das alles dürfte durch den Ausbruch nicht beeinträchtigt sein. Wichtig ist , dass die Kolbenringe im unteren Totpunkt noch im heilen Teil der Zylinderlaufbahn sind und nicht in den Ausbruch federn können. Wenn du also den Kolben in den Zylinder steckst und soweit nach unten schiebst, dass die Überströmer völlig frei sind , also die Oberkante des Kolbens auf Höhe der Unterkante der Übersträmer ist, dann dürfen die Ringnuten nicht in der Schadstelle sein , sondern müssen noch darüber sein. Ohne Ringe prüfen! Den Kolben nur dann mit Ringen in den Zylinder stecken , wenn er richtig eingebaut ist ( Pfeil auf Kolbenboden zeigt auf Auslass) und dann nur vorsichtig bewegen , bei manchen Motoren kann es sein , dass man den Kolben je nach Höhe im Zylinder drehen muss , sobald man unter die Tiefstlage kommt , die der Kolben im Betrieb einnehmen kann. Andernfalls können ev. Ringenden in die Schlitze einfedern !


benutz mal die Suche , ich meine , wir hatten hier schon mal eine 200er Dürkopp !


mfG Volker
von TobiasSchulze
#32888
Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung - das ergibt alles durchaus Sinn.
Ich habe mich in der Zwischenzeit auch noch einmal genauer mit der Funktionsweise des Motors beschäftigt und sehe jetzt, dass die Theorie mit der Schmierung natürlich Unsinn ist.

Ich werde in den nächsten Tagen mal zusehen, dass ich herausfinde, ob der Ausbruch die Kolbenringe beeinträchtigt.
Sobald ich Neuigkeiten habe, melde ich mich hier nochmal (auch in Hinsicht auf die eingangs erwähnte lose Feder).

Die Suchfunktion werde ich auch noch einmal bemühen, ich war allerdings der Meinung, die spuckt zur MD 200 nicht sonderlich viel aus.


Danke noch einmal und dir eine schöne Woche!

Tobias

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